Noch nicht zu höherer Erkenntnis gelangt, hält die Menschheit sich noch immer in Platos Höhle auf und ergötzt sich –

nach uralten Gewohnheiten – an bloßen Abbildern der Wahrheit. Erziehung durch Fotografie aber ist nicht das gleiche

wie Erziehung durch ältere, stärker von handwerklicher Technik geprägte Bilder. Ein Grund dafür ist die Vielzahl der

Abbilder, die heute überall unsere Aufmerksamkeit erregen. Die Bestandsaufnahme begann 1839 und konzentrierte sich

auf Porträtaufnahmen, aber seither ist so ungefähr alles fotografiert worden- jedenfalls scheint es so. Und diese schiere

Unersättlichkeit des fotografischen Auges verändert die Bedingungen, unter denen wir in der Höhle, unserer Welt,

eingeschlossen sind. Indem sie uns einen neuen visuellen Code lehren, verändern und erweitern Fotografien unsere

Vorstellung von dem, was anschauenswert ist und was zu beobachten wir ein Recht haben. Es gibt eine Grammatik und,

wichtiger noch, eine Ethik des Sehens. Und schließlich besteht das erstaunlichste Resultat fotografischen

Unternehmungsgeistes darin, dass uns das Gefühl vermittelt wird, wir könnten die ganze Welt in unserem Kopf speichern

– als eine Anthologie von Bildern.

Susan Sontag

aus Platos Höhle 1989

Zeitraumzeit
Wolfgang Ahrens
Tommy Pützstück
Ulla Pützstück
Dieter Rüge

Version 1.3, Stand: 25.2.2016

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