Text zu Glitch Art oder die Ästhetik des Fehlers

Wolfgang Ahrens: Fernsehbild während eines Schneegestöbers 2015

Glitch Art (engl. Panne, Störung) ist die Ästhetisierung der digitalen oder analogen Fehler, wie Artefakte und andere „Bugs“, die entweder durch korrumpierten digitalen Code/Daten oder durch physische Manipulation elektronischer Geräte entstehen.

Im technischen Sinne ist eine Panne das unerwartete Ergebnis einer Fehlfunktion. Es wurde zuerst in englischer Sprache im Jahr 1962 von John Glenn im Rahmen des amerikanischen Raumfahrtprogramms berichtet. „Wörtlich ist ein Glitch ein Dorn oder Änderung der Spannung in einem elektrischen Strom.“ 

Im Januar 2002 hielt Motherboard, ein Tech-Art Kollektiv, ein Glitch Symposium in Oslo ab, um „internationale Künstler, Akademiker und andere Glitch Künstler  zum Austausch ihrer Arbeiten und Ideen zusammenzubringen.“

Wolfgang Ahrens: Fernsehbild während eines Schneegestöbers 2015

In der Kunst wird Glitch verwendet, um Fehler zu beschreiben, wie sie  in der Software, in Videospielen, Bildern, Videos, Audio und andere Formen von Daten auftreten. Der Begriff Glitch (Panne) entstand aus der Musik Mitte der 90er Jahre, um ein Genre der experimentellen/Lärm/electronica zu beschreiben (siehe Glitch-Musik). 

.Einen frühen Meilenstein für eine Glitch in der Medienkunst nimmt das Video Digital TV Dinner (1978) von Jamie Fenton and Raul Zaritsky ein, in dem die Bally Video Spielekonsole manipuliert wurde. Kurz danach begannen bildende Künstler die Panne als ästhetisches Moment im  digitalen Zeitalters zu begreifen, kam Glitch Art zu einem ersten Hype. 
Wolfgang Ahrens: Fernsehbild während eines Schneegestöbers 2015

»Jedem technischen Medium wohnt eine spezifische Ästhetik inne. Diese Ästhetik beschreibt sich aus den technischen Eigenschaften des Speichermaterials, seinen physikalischen und chemischen Veränderungen in der Zeit, dessen Beeinflussung durch die Aufzeichnungs- und Wiedergabetechnik sowie menschlichen Faktoren während der Benutzung von Material und Technik. […]Der aseptische Zustand im digitalen Raum sensibilisiert uns im besonderen Maße auf Fehler und Störungen. Die Möglichkeiten der digitalen Produktion erlösen die analoge Technik vom Wunsch und Zwang der technisch perfekten Reproduktion.”

 aus Sebastian Purfürst und Christian Mahler, 2005. DVD, LEM Media Research Stuios. Berlin (2005) 

Wolfgang Ahrens, im Februar 2018

 

Ein animiertes Video als Demo von Michael Betancourt.